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Aus der Geschichte Hasseldieksdamms: Die Gaststätte ,,Julienlust“

(Autor/Quelle: Werner Jensen,  Hasseldieksdammer Rundbrief 4/2002)

Die zur Gemeinde Hasseldieksdamm (Amt Kronshagen, Kreis Bordesholm ) gehö­rende Landschaft mit ihren 3 Buchenwäldern, dazwischen schmale, hügelige Koppeln und im Norden und Süden Wiesenflächen) war von den Verkehrswegen nach Rendsburg und nach Kronsha­gen/Eckernförde unberührt geblieben. Dadurch hat sich eine anmutige Natur über Jahrhunderte erhalten können. Die Forsten waren gut gepflegt und bewirtschaftet, da sie unter herzoglicher, dann staatlich preußischer strenger Aufsicht standen und Holzfrevel hart bestraft wurde. Im Westen der wachsenden Stadt Kiel, seit 1871 Reichskriegshafen, wuchs die Zahl von Sonn­tagsausflüglern und Liebhabern, die die Naturschönheiten möglichst nahe der Stadt suchten, ständig an. Die einzige Gaststätte „Waldesruh" war dem Andrang kaum ge­wachsen. So kam es zur Umwandlung einer Gärtnerei in eine Waldgaststätte (heute Julienluster Weg Nr. 27-29) zwischen dem Forst Uhlenkrog und dem eigentlichen Hasseldieksdammer Gehölz.

Wie kam es zu dieser Gärtnerei und dann zur Gaststätte  „Julien­lust“? Der Gärtner Jakob Bernhard Albert hatte vor 1870  1 Hektar Land von dem damals größten Landbesitzer Jürgen Friedrich Will auf  „Uhlenkrog" (an der Hofholzal­lee) gegenüber der Waldorfschule) erworben. Ihm gehörten landwirt­schaftliche Flächen von Wittland/Kronshagen bis an die Ham­burger Autobahn (heute Tierheim). Der Gärtner Albert wurde der „Ro­senkönig" genannt, weil er vorwiegend Rosensorten züchtete. Sein Nachfolger wurde 1888 Richard Boldt, der bald darauf ein kleines Cafe einrichtete. 1896 erweiterte er es für 30.000 Goldmark zu einer Gartenwirtschaft mit Veranda. Von dem Uhlenkrogbesitzer hatte er den Namen "Julienlust" vertraglich erworben; denn der dänische König Frederik VI hatte durch Erlaß 1854 den „Uhlenkrog“ in „Julienlust“ umbenannt auf Antrag des Eigentümers. Die Anzeige aus der Kiefer Zeitung vom August 1896 zeigt die Neueröffnung an.

Wer damals den beschwerlichen Weg von Kiel vermeiden wollte, konnte sich am Wilhelmplatz mit einer einspännigen Pferdekutsche (einer Break für 4 Personen) ab­holen lassen. Boldt verkaufte die Gartenwirtschaft 1905 an Rudolf Michaelis: der 1908 die Räumlichkeiten vergrößerte und einen Tanzsaal bauen ließ. 1914 wurde die Tanzgaststätte von Michaelis und der Aktienbrauerei, die den Ausbau mit finanziert hatte, verpachtet und später für 130.000 (!) Goldmark verkauft wegen der hohen Einnahmen, vor allem im Sommer. Als weitere Besitzer sind Johann Dose aus Kopperpahl und bald danach Karl Roggensack zu nennen.

Weiterhin lockte diese Wirtschaft mit ihren offenen Gartenlauben und seinem großem Kinderspielplatz. Die Gaststätte ging dann über in die Hände von Fritz Hinz, der mit seiner Frau durch Freundlichkeit und Gemütlichkeit viele Freunde gewann. In seinem Saal fanden wöchentlich Gym­nastikstunden statt, die großen Zuspruch hatten. An Festtagen waren auf dem Vor­platz am Waldesrand ein Karussell und große Luftschaukeln, die gern von Matrosen mit ihrem Liebchen geschwungen wurden, aufgebaut. An einer zweirädrigen Eiskar­re konnte man sonntags für 5 Pfennige eine Eistüte erstehen und an einer Süßigkei­tenbude gab's Brausepulver und Salmis, wie Zeitzeugen aus den 30iger Jahren berichten.

Im Kriege 1941 trat Fritz Hinz die Gastwirtschaft an die Firma „ELAC" (Elektro-Acustik) ab. Diese Firma baute das Lokal für ihre ausländischen (italienischen) Mitarbeiter zu einem Wohnheim um. Dieses Heim wurde am 26. August 1944 durch eine Luftmine völlig zer­stört und nicht wieder aufgebaut. Nach dem Kriege entstanden auf dem Grundstück zunächst Wohnba­racken, die während der englischen Besatzungszeit von ausquartierten Besitzern der Hofholzallee bewohnt wurden. Da­nach entstand dort ein Neubau für die Kieler Stadtförsterei der noch heute existiert.

[Text-/Bild-Quellen: Kieler Stadtarchiv, Hauke Hansen. Verfasser: Werner Jensen]