Die Entwicklung des Hofholzes in den vergangenen 14.500 Jahren – ein kurzer Überblick

Das heute etwas mehr als 25 Hektar bedeckende, bewaldete Hofholz liegt im Kieler Stadtteil Hasseldieksdamm zwischen dem Skandinaviendamm im Norden, dem Russeer Weg im Westen, der Straße Am Wohld im Süden und dem Tiergehege Hasseldieksdamm im Osten. Das Hofholz ist landschaftlich Teil des Östlichen Hügellandes von Schleswig-Holstein und damit der Jungmoränenlandschaft, die während der letzten Kaltzeit stark überprägt wurde. Dieser Beitrag behandelt die Entwicklung des Hofholzes seit dem Abschmelzen der Inlandseismasse zum Ende der letzten Kaltzeit, des Weichsel-Glazials.

1. Die Situation am Ende des Hochglazials vor etwa 14.500 Jahren

Extreme Kälte hatte während des Hochglazials zu einer starken Ausdehnung der viele hundert Meter hohen Inlandeisdecke in westlicher Richtung geführt. Vor etwa 14.500 Jahren lag der westliche Eisrand schließlich ungefähr entlang einer Linie, die einige Kilometer westlich von Schleswig, Rendsburg und Neumünster verläuft. Es war die größte Ausdehnung des Inlandeises während der letzten Kaltzeit. Über Hasseldieksdamm und das Hofholz hinweg bewegte sich die dicke Eisschicht beständig westwärts.

Eingebacken in das Eis waren Geschiebe (also größere und kleinere Steine), Sandkörner, kalkhaltiger Schluff (Staubkörner, die aus zerriebenem Kreidegestein bestehen) und Tonteilchen. Viele der Geschiebe, die heute im Hofholz an der Oberfläche liegen, sind hunderte Millionen Jahre alte Gneise und Granite. Das Inlandeis hat sie auf dem Gebiet der heutigen Staaten Norwegen, Schweden und Finnland abgerissen und bis nach Kiel transportiert. Weiterhin finden sich im Hofholz viele meist kleine Feuersteine (Flinte), die aus den Kreidevorkommen des Ostseebeckens und einiger Ostseeinseln stammen.

An der Untergrenze des sich langsam über uns hinweg bewegenden Inlandeises, also am Kontakt vom Eis zur mineralischen Landoberfläche darunter, schmolz das Eis beständig. Dort ausschmelzende Geschiebe, Sand-, Schluff- und Tonteilchen blieben auf der mineralischen Landoberfläche liegen. Diese Mischung feineren, kalkhaltigen Materials mit vielen Sandkörnern und einigen Geschieben bezeichnen wir geomorphologisch als Grundmoräne und geologisch als Geschiebemergel. Durch das hohe Gewicht des Eiskörpers wurde die Grundmoräne verdichtet und fest. In Baugruben an der Straße Am Wohld oder am Russeer Weg ist die Grundmoräne gelegentlich sichtbar. Ihre hohe Dichte und der Tongehalt verursachen Staunässe mit Sauerstoffmangel. Daher ist die Grundmoräne manchmal graublau gefärbt. Im Hofholz liegt die dichte Grundmoräne heute meist einige Dezimeter unter der Geländeoberfläche.

Ab etwa 14.500 Jahren vor heute wurde es bei uns allmählich wärmer. Die von großen, tiefen Rissen sowie wasserführenden Tälern und Tunneln durchzogene Inlandeisdecke schmolz vorwiegend von oben nach unten, bis die Eisdecke instabil wurde und keine Vorwärtsbewegung des Eises mehr möglich war (vgl. Stephan 2003, S. 108). Es verblieb eine Eiszerfallslandschaft mit zahllosen kleinen und großen Eisblöcken. Da diese keine Verbindung mehr untereinander und zum weiter östlich anschließenden Inlandeis hatten, nennt man die Eisreste „Toteisblöcke“. Größere Toteisblöcke lagen im Bereich des heutigen Tiergeheges Hasseldieksdamm. Nach dem Abschmelzen entstanden dort Seen.

Auf der Grundmoräne im Bereich des Hofholzes verblieben zunächst zahlreiche kleinere Toteisblöcke. Zwischen den Toteisblöcken floss in den Sommermonaten Schmelzwasser. Es transportierte Sande, Schluffe sowie kleinere Geschiebe und lagerte diese zwischen dem Toteis in Schichten übereinander ab. Im Hofholz entstand so ein wenige Dezimeter dickes Lockergestein, das wir als Geschiebedecksand bezeichnen. Gut sichtbar ist es ist an den Wurzeltellern von Bäumen, die Stürme in den vergangenen Jahren umgeworfen haben.

Nach dem vollständigen Abtauen der Toteisblöcke im Hofholz verblieben an deren Stelle einige hundert bis wenige tausend Quadratmeter kleine wassererfüllte Hohlformen, die wir als Sölle bezeichnen. Manche waren ganzjährig mit Schmelzwasser im Sommer und Eis im Winter gefüllt. Bald verlandeten viele dieser kleinen Hohlformen allmählich; in der Nacheiszeit wuchsen in ihnen Niedermoore auf.

2. Die Entwicklung vom Ende des Alleröd bis zum Beginn der Nacheiszeit vor etwa 10.700 Jahren

Zum Ende einer Warmphase, die als Alleröd bezeichnet wird, brach vor etwa 13.000 Jahren in der Eifel der Laacher See-Vulkan aus. Danach war es in der Jüngeren Tundrenzeit rund eintausend Jahre wieder deutlich kühler. Dauerfrost kehrte zurück. In den Sommern taute er oberflächennah auf, von Herbst bis Frühjahr waren die Böden wieder vollständig gefroren. Die alljährlichen Frostwechsel bewirkten eine Durchmischung der auf der Grundmoräne liegenden Geschiebedecksande und -kiese. Diese Durchmischungszone in den oberen Dezimetern des Bodens im Hofholz ist die Hauptdurchwurzelungszone der Bäume, die heute dort wachsen.

3. Die Entwicklung in der Nacheiszeit bis zur Frühen Neuzeit

Vor etwa 11.700 Jahren begann mit einer raschen Erwärmung die bis heute andauernde Nacheiszeit (auch Holozän genannt). Das Gebiet des Hofholzes bewaldete sich bald. Nur die vernässten kleinen Senken blieben unbewaldet. Sie waren im Winter und im Frühjahr oft mit Wasser gefüllt; in ihnen wuchsen allmählich Niedermoore auf.

Zu den Nutzungen während Jungsteinzeit-, Bronze- und Eisenzeit ist wenig bekannt. Wahrscheinlich war das Hofholz während der vergangenen 11.700 Jahre überwiegend bewaldet und kaum ackerbaulich genutzt. Dafür spricht die geringe Fruchtbarkeit der meisten Böden im Hofholz. In der Nähe wohnende Menschen dürften den Wald vorwiegend als Weide für ihr Vieh und zur Nutzung von Holz und Laubstreu genutzt haben. Schriftquellen belegen die Anlage von Hofstellen um das Hofholz ab dem 13. Jahrhundert. Im Jahr 1270 wird Hassenthorpe (Hasseldieksdamm) im Kieler Stadtbuch erstmals erwähnt (Casper 1952). Rodungen und Ackerbau begleiteten die Siedlungstätigkeit um das Hofholz. Nach eigenen Untersuchungen sprechen humose Ablagerungen an einigen Standorten dafür, dass es während Mittelalter und Früher Neuzeit im Hofholz kleinräumig und kurzzeitig Rodungen und Ackerbau gab. Im 16. Jahrhundert wurden Hassenthorpe und das Hofholz Teil des Meierhofes Kronshagen.

Vom 13. bis in das 18. Jahrhundert wurden in der vielgliedrigen Senke im Bereich des heutigen Tiergeheges Hasseldieksdamm mit dem Struckdiek und dem Hasseldiek zwei Fischteiche bewirtschaftet (Peters

4. Die Entwicklung im 18. und frühen 19. Jahrhundert

Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Fischteiche Struckdiek und Hasseldiek abgelassen und zur dauerhaften Entwässerung der Senke die Vorfluter Struckdieksau und Hasseldieksau aufgegraben. Beide entwässern bis heute das ehemalige See- bzw. Teichgebiet. Der trockengefallene Teichgrund wurden fortan landwirtschaftlich genutzt (vgl. Peters 1952).

Kartographische Belege für die Existenz des Waldes Hofholz im 18. Jahrhundert sind der Klesselsche Plan des Gutes Kronshagen von Hans Peters aus dem Jahr 1764 sowie die Varendorfsche Karte aus den Jahren 1789 bis 1796 (vgl. Sievert 1952). Beide Karten zeigen eine größere Ausdehnung des Hofholzes als heute: Nach Norden griff es weiter aus (der Skandinaviendamm wurde in den 1960er-Jahren angelegt) und im Süden war es im Bereich der heutigen Straße Hofholzallee mit dem Hasseldieksdammer Gehölz verbunden.

Im Jahr 1768 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben, das Gut Kronshagen, zu dem das Hofholz gehörte, zum Amt und parzelliert. Die Zahl der Hofstellen in der näheren Umgebung des Hofholzes wuchs deutlich und damit sehr wahrscheinlich die Intensität der bäuerlichen Nutzung des Hofholzes durch Waldweide und die Entnahme von Holz. Im Jahr 1810 wurde das Hofholz eingefriedet, wohl um die bäuerliche Nutzung zu begrenzen. Bis heute sind der markante Einfriedungswall und -graben u.a. am südlichen Rand des Waldes sichtbar. 

Einfriedungswall am Bolzplatz/Kita

Am nördlichen Ausgang zum Russeer Weg steht eine Granitstele mit der Zahl „1810“.

Die zahlreichen, vorwiegend abflusslosen, vernässten und teilweise vermoorten Senken im Hofholz wurden möglicherweise im Zusammenhang mit der Parzellierung im Jahr 1768 oder mit der Einfriedung im Jahr 1810 über Gräben verbunden und entwässert. So konnten dort nach der Trockenlegung besonders Eschen gedeihen. Außerhalb der Senken wurden im frühen 19. Jahrhundert bevorzugt Buchen und auch einige Eichen weitständig gepflanzt, von denen etliche Exemplare noch heute leben.

5. Das Hofholz heute

Im 20. Jahrhundert wurden im Hofholz Ahorn sowie einige Douglasien und Fichten gepflanzt. Bis in die 2000er Jahre wurden ältere Buchen gefällt und verkauft. Ein Paradigmenwechsel führte dann zu einer naturnahen Waldbewirtschaftung. Von Stürmen abgebrochene oder gefällte Bäume verbleiben im Hofholz, ebenso von städtischen Mitarbeitern aufgrund unzureichender Standfestigkeit gefällte Buchen. Lediglich auf Waldwege gefallene Bäume wurden zersägt und die auf den Wegen gelegenen Stammabschnitte an die Wegränder gezogen. In den durch Sturmwurf entstandenen kleinen Lichtungen vollzieht sich eine intensive Naturverjüngung. Buche und Ahorn gedeihen dort.

Das Falsche Weiße Stengelbecherchen, ein in Ostasien heimischer Pilz, dessen Sporen sich mit dem Wind verbreiten, schädigt die Gemeine Esche. Der Pilz wird erstmals im Jahr 2002 in Schleswig-Holstein nachgewiesen. Mittelweile sind dem Pilz die meisten Eschen in den Senken des Hofholzes zum Opfer gefallen (Bork 2020, S. 260-61).

Außergewöhnlich geringe Niederschläge führen 2018, 2019, 2020 und 2022 zu erheblichen Trockenschäden, besonders an Buchen und Fichten.

6. Literaturverzeichnis

Bork, H.-R. (2000): Umweltgeschichte Deutschlands. 418 S. Heidelberg/Berlin (Springer).

Casper, W. (1952): Hasseldieksdamm im Wandel der Zeiten. In: H. Sievert (Hrsg.). S. 7-11.

Peters, H. (1952): Die Hasseldieksdammer Holzungen und Fischteiche. In: H. Sievert (Hrsg.). S. 35-44.

Sievert, H. (1952; Hrsg.): Hasseldieksdamm. Mitt. d. Ges. f. Kieler Stadtgeschichte 42, 135 S.

Stephan, H.-J. (2003): Zur Entstehung der eiszeitlichen Landschaft Schleswig-Holsteins. Schr. Naturwiss. Ver. Schleswig-Holstein 68, S. 101-118.