Das Waldstück Hofholz und der Klimawandel

Wer am Sonntag, den 30. August am frühen Nachmittag in Hasseldieksdamm die Hofholzallee entlanggekommen ist, konnte am Bücherhäuschen eine Gruppe von ca. 20 Personen erwartungsvoll stehen sehen. Nach ein paar einleitenden Worten und einem Blick auf die Karte ging die Gruppe kurze Zeit später unter der kompetenten Führung des Stadtförsters, Falk Hurrelmann, in das angrenzende Waldstück Hofholz.

Angesichts des Klimawandels und des zu beobachtenden Eschensterbens hatte sich die auf Initiative des Runden Tischs Hasseldieksdamm gegründete Stadtteilgruppe „Natur und Umwelt“ (NAUM-Gruppe) im Frühjahr getroffen und einen Fragenkatalog zu der Führung im Hofholz zusammengestellt.

Während des zweistündigen Spaziergangs durch das Waldstück nahm sich der Förster die Zeit, auf die Fragen einzugehen, und war darüber hinaus auch aufgeschlossen für Ideen und Eigeninitiativen aus der Gruppe als Beitrag zur weiteren positiven Entwicklung unseres Stadtwaldes in Hasseldieksdamm.

Eine Auswahl an Fragen und Antworten an den Stadtförster:

Wie ist der Waldzustand (Buchen, Eichen, Ahorn, Eschen, …) im Hofholz und in unseren anderen kleinen Wäldern?

Das Waldstück Hofholz in Hasseldieksdamm ist in Kiel ein Vorzeigestück, da es bereits als nachhaltiger Mischwald nachwächst. Ziel der Stadt Kiel ist es, möglichst viele Waldstücke in Kiel in ähnlicher Richtung zu entwickeln.

Welche langfristige Entwicklung plant die Stadt Kiel für das Hofholz?

Der Kieler Wald soll der Bevölkerung zukünftig vornehmlich zur Erholung dienen und nur in geringem Umfang wirtschaftlich genutzt werden.

Wie werden sich die Wälder in Hasseldieksdamm zukünftig insbesondere vor dem Hintergrund des aktuellen Klimawandels und Schädlingsbefalls entwickeln? Welche Maßnahmen, ggf. Anpflanzungen sind konkret geplant?

Der Kieler Wald soll insgesamt als stabiler Mischwald (Dauerwald) auf möglichst natürliche Weise nachwachsen und möglichst resilient entwickelt werden, auch um so den möglichen Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken.

Ist eine Wiederansiedlung von Eschen geplant?

Das Eschensterben ist leider nicht aufzuhalten, von daher sind keine Neuanpflanzungen geplant. Stattdessen sollen gezielt Traubeneichen nachgepflanzt werden, die dem Klimawandel besser standhalten können.

Können versuchsweise einige Gräben geschlossen werden, um eine Vernässung von Senken zu ermöglichen – besonders an Standorten, an denen die Eschen dem Eschentriebsterben zum Opfer gefallen sind?

Eine Wiedervernässung von Senken darf nach Abstimmung in Eigenarbeit gerne gestartet werden, da diese Renaturierungsmaßnahme der Waldpflege entgegenkommt.

Ist die Beseitigung standortfremder Baumarten wie Fichten in naher Zukunft geplant? Wenn ja: Mit welchen Methoden?

Eine Rodung von Fichten mit schwerem Gerät, wie es in Russee/Hammer erforderlich war, ist in Hasseldieksdamm nicht nötig. Einzelne Fichten gehören zum Bild eines Mischwaldes. Einzelne Bäume müssen aus Verkehrssicherungsgründen gekappt oder gefällt werden, wenn sie gefährlich nahe an Waldwegen oder privaten Grundstücken stehen. Einige Eschen und Buchen sind schwarz markiert. Ein Punkt bedeutet, dass der Baum unter Beobachtung steht, zwei Punkte, dass der  Baum kurzfristig gefällt werden muss. Hierfür werden evtl. sogar Rückpferde zum Einsatz kommen.

Ist eine Pflanzung von Bäumen geplant oder soll die Naturverjüngung entstehende Lücken schließen?

Es sollen nur an den Stellen heimische Bäume nachgepflanzt werden, an denen keine natürliche Verjüngung stattfindet.

Ist die wirtschaftliche Nutzung des ggf. entnommenen Holzes geplant?

Das Holz, das durch Windbruch o.ä. noch gewinnbringend abgegeben werden kann, soll verkauft werden. Eine größere wirtschaftliche Nutzung des Waldes ist nicht geplant. Es handelt sich überwiegend um einen städtischen Erholungswald. Einzelne Bäume werden gefördert und ggf. auch gezielt verkauft.

Welche Tiere halten sich im Hofholz auf? Ist hier ein Schutz geplant?

Gesehen wurden u.a. Habicht, Dachse, Rehe, Hasen, Marder. Die Wälder werden regelmäßig auf den Tierbestand überprüft, um bei einem Ungleichgewicht evtl. Maßnahmen zu ergreifen.

Wie können wir (Natur- und Umweltgruppe des Stadtteils) zum Erhalt und zur Förderung des Waldes beitragen?

Es können weitere Führungen mit speziellen Themen zur Aufklärung angeboten werden.

Wie könnten Jugendliche und Kinder an den Schutz der Grüngebiete herangeführt werden? Wo gibt es für sie sichere Bereiche? Könnte auch einen Waldspaziergang für Kinder angeboten werden?

Auch für Kinder und Jugendliche können alters-/ und themenbezogene Führungen nach Absprache und im Rahmen der Möglichkeiten angeboten werden. Auch über die Pflege des Wildgeheges wird gezielt Öffentlichkeitsarbeit betrieben und es sind dort ebenfalls Führungen nicht nur möglich sondern sogar erwünscht!

Zum Wildgehege erzählte Falk Hurrelmann die Anekdote, warum es Bisons im Wildgehege gibt. Es wurden seinerzeit Wisente (lat. „Bison bonasus“) bestellt, geliefert wurden jedoch Bisons, lateinischer Name „bos bison“. Und damit haben wir seitdem neben den Wisenten, die später korrekterweise geliefert wurden, auch Bisons. Die Wisente sind übrigens Teil eines Auswilderungsprogramms, einzelne Jungtiere werden in Rumänien ausgewildert.

Am Ende der Führung durch das Waldstück Hofholz waren alle Fragen geklärt und die Teilnehmer/-innen fühlten sich sehr gut informiert. Auch die Experten, die manche Entwicklung im Wald mit kritischem Blick verfolgen, konnten zufriedengestellt werden. Das eigene Projekt zur Wiedervernässung fand die grundsätzliche Zustimmung des Stadtförsters und darf begonnen werden, um den natürlichen Zustand des Waldes zumindest in kleineren Bereichen wiederherzustellen.

Wir danken dem Kieler Stadtförster, Falk Hurrelmann, auf diesem Wege für seine engagierten, interessanten und kurzweiligen Ausführungen und freuen uns auf weitere Führungen dieser Art!

[Für die NAUM-Gruppe: Constanze Grützner und Jens Wilms, Fotos: Jens Wilms]