Elf Interessierte, davon drei Kinder, trafen sich eine gute halbe Stunde vor Sonnenuntergang bei wunderschönem Spätsommerwetter am Bücherhäuschen zur Fledermaus-Führung, die von Frank Pliquett, Fledermaus-Experte vom NABU Kiel, geleitet wurde. Frank schaffte es mit seinem fundierten Wissen, seiner netten Art und seiner tollen technischen Ausstattung sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder für diese besonderen Tiere zu begeistern. Nach einer kurzen Begrüßung gingen wir zu einer kleinen Lichtung im Wald und entdeckten dort gleich, noch vor Sonnenuntergang, die ersten Fledermäuse.
Dank der verschiedenen Detektoren und einem Ultraschall-Mikrofon für Tablet bzw. Smartphone, mit dem über eine App die Rufe der Fledermaus sicht- und hörbar gemacht wurden, konnten wir verschiedene Fledermausarten identifizieren.
Wir haben Zwergfledermäuse – die kleinsten hiesigen Fledermäuse – gesehen. Sie haben das Gewicht eines Stücks Schokolade (3,5 bis 7 Gramm), eine Länge bis zu 5,1 cm und bis zu 24 cm Spannweite. Die Zwergfledermaus (Rufe bis 45 kHz) unterscheidet sich nur minimal von der Mückenfledermaus, deren Rufe bis zu 55 kHz reichen. Die Unterscheidung war uns also nur über die Geräte möglich. Erst vor wenigen Jahren wurde die Mückenfledermaus als eigene Art eingeführt. Beide Arten ernähren sich vorwiegend von kleinen Mücken. Die Tiere jagen nicht die ganze Nacht, nach etwa 30-40 Minuten legen sie eine erste Pause ein und jagen später erneut. Wenn sie erschöpft sind, kehren sie jedoch nicht unbedingt in ihr Quartier zurück, sondern hängen sich im Schutz der Dunkelheit gern in einen Baum.
Außerdem haben wir Große Abendsegler (Gewicht 19 – 40 Gramm, Länge bis zu 8 cm, Spannweite bis 40 cm) gehört. Abendsegler ernähren sich von Nachtfaltern, die sie auf bis zu 50 Meter Entfernung orten können. Deshalb sind die Rufe der Abendsegler auch sehr viel lauter als die der anderen beiden Fledermausarten. Große Abendsegler können auch weitere Strecken zurücklegen, sie jagen z.B. gern über dem Domäneteich.
Fledermäuse jagen mehrfach in der Nacht mit Pausen von kurz vor Sonnenuntergang bis kurz nach Sonnenaufgang.
Wir haben zudem gelernt, dass Flachkästen im Wald in der Regel nicht gut angenommen werden. Sie funktionieren besser an Felsen, werden dann für eine Felsspalte gehalten (Häuser sind für Fledermäuse übrigens Felsen). Rundkästen hingegen sind gut für den Wald geeignet, die Tiere halten sie für abgebrochene Äste, „passen“ also gut in den Wald.
Frank hatte auch ein Nachtsichtgerät und ein Wärmebildgerät mitgebracht. Der Renner – insbesondere bei den Kindern – waren jedoch die von Frank selbstgebaute Geräte, deren Mikrofone beim Erkennen einer Fledermaus Impulse auslösen, die angeschlossene Lichterketten zum Leuchten bringen. Und zum Schluss gab es für kleine (und große) Fledermausschützer von Frank noch eine kleine fluoreszierende Fledermaus.
Herzlichen Dank an Frank für die sehr interessante, anschauliche Führung.
Die Fledermausbilder in der Galerie wurden von Frank bei der Reinigung der Kästen am 20.9.2026 aufgenommen.